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10. Oktober 2018

Saarbrücker Zeitung: Stunk um Weihnachtsmarkt am Schloss

Schausteller der ersten Stunde kommen sich verschaukelt vor: Sie bekommen keinen Standplatz mehr. Und das ist längst noch nicht alles. Wenn sich Mittwoch früh Roland (65) und Sascha (44) Haddzis mit der städtischen Kulturamtsleiterin Sylvia Kammer-Emden treffen, ist mächtig Druck im Kessel. Denn Vater und Sohn sind auf die Saarbrücker Verwaltung sauer. Die ist zum dritten Mal für die Organisation des Weihnachtsmarktes am Schloss verantwortlich. Diesmal habe sich einiges zum Schlechten gewandelt. Mal ganz abgesehen davon, dass Rathaus-Mitarbeiter der alteingesessenen Schausteller-Familie eine Abfuhr erteilten. In einem nüchternen Schreiben flatterte die Absage ohne Angabe von Gründen in den Briefkasten. „Und wir haben den Markt mit anderen vor 45 Jahren ins Leben gerufen“, sagt der Senior-Chef.

So wie ihm soll es auch anderen Kollegen ergangen sein, die von Anfang an zu jenen gehörten, die den Markt in Alt-Saarbrücken pflegten. Besonders treffen würde es die Vereine, die den adventlichen Basar vor dem Schloss am ersten Advents-Wochenende prägten. „Die haben die Mietpreise für die Standflächen drastisch erhöht und die Stellplätze verkleinert. Das kann sich ein Verein nicht leisten“, sagt Roland Haddzis. Sohn Sascha pflichtet bei: „Das war immer der Weihnachtsmarkt des kleinen Mannes.“

Nach SZ-Informationen sollen die Rabatte für Privatveranstalter drastisch gekürzt worden sein. Im Gegenzug stiegen Müllkosten. Zudem führte Saarbrücken ein Bieterverfahren ein. Das bedeutet: Um den Zuschlag für besonders lukrative Plätze können Bewerber um die Wette steigern.

Dies rief die Linkspartei auf den Plan. Jürgen Trenz, Fraktionschef beim Regionalverband: „Unsere Kollegen im Stadtrat haben eine Anfrage an Oberbürgermeisterin Charlotte Britz gestellt.“ Sie wollen von der SPD-Politikerin wissen, wie es zu dem neuen Gebührenkatalog kam. Der einstige Veranstalter, eine von mittlerweile in die Jahre gekommenen Saarbrückern getragene Interessengemeinschaft, hatte die Aufgabe an die Landeshauptstadt abgetreten.

Stadtpressesprecher Thomas Blug kann die Aufregung nicht verstehen. „Es gibt 250 Stände. Im Gegenzug haben wir nur zwei Beschwerden erhalten.“ Die Gebühren habe die Stadt wegen gestiegener Ausgaben „angepasst“. Der neue Zuschnitt der Plätze orientiere sich an den Bedingungen anderer Stadt-Veranstaltungen und den Sicherheitsanforderungen.

Unabhängig davon ärgert Trenz, dass „Schausteller, die so lange dabei sind, abgemeiert werden“. Darüber soll es heute Klarheit im zuständigen Amt geben, wenn Betroffene im Rathaus erscheinen.